Nachmittags am Main

Nachmittags am Main


Schöner liegen | Ich liege auf meiner Decke und finde die Entspannung.


Ein Tag an den Mainwiesen. Ich liege auf meiner schönen Rot/Weiß-karierten Decke und lese. Nebenbei betrachte ich die Leute, die an mir vorbei promenieren – einige Pärchen, viele Rentner und – natürlich – Jogger (sehen und gesehen werden, comprendes, amigo?) – Ich hasse sie, aber ohne wärs ja auch langweilig. Natur Pur – der Schatten der Bäume neben mir auf dem herrlich grünen Gras und das Plätschern des Wassers, lachende, ja man kann schon sagen, glückliche Menschen überall um mich herum… *seufz* „Bayern ist schon irgendwie toll“, höre ich mich sagen…

Der ganze Park ist leer und so konnte ich einen wirklich fantastischen Platz bekommen – weit und breit keine Nervbolzen, die sich über das ach so wichtige Fussballspiel von gestern Abend unterhalten, oder lärmende Blagen, die den Rettungsring am Ufer mal wieder als Knüppel verwenden, um irgendwelchen 12-jährigen Sexbomben zu zeigen, wer von ihnen das Alphatierchen ist. Schön das Alles. Einfach alles ist so wunderbar beruhigend schön…

Hach, wie lebendig ich mich fühle! So stelle ich mir WAHREN Luxus vor! Die Sonne scheint mir auf den Bauch, ich habe ein gutes Buch in der Hand und keine Sorgen. Entspannung pur! Ich schließe die Augen und träume ein wenig vor mich hin. Eine Frau wäre noch ganz nett… So auf der Decke neben mir sitzend… Ich denke an tiefe, blaue Augen… Blondes Haar? Hmm… Brünette sind auch hübsch… Oder auch…*PFLONK* – Kopfschmerzen – Genau auf die Zwölf. Ich weiß natürlich erst einmal so gar nicht, was mir da eben passiert ist und muß spontan an Halle Neustadt und kleine, pummelige Menschen ohne Haare, dafür mit Baseballschlägern denken, die mir an die Kohle wollen. Aber was machen die mittags am Main? Also erstmal Augen auf.

„Hupsi! Entschuldigung – das wollten wir nicht! Alles in Ordnung bei Ihnen?“ – BWL-Studenten (oder Sport – irgendwie sowas) – und zwar zwei davon genau neben mir. Ekelhafte, viel zu große kurzärmlige Hemden mit bunten Mustern und dazu Karottenhosen. Irgendwie traurig, daß sich anscheinend im Mitteleuropa des 21.Jahrhunderts einige Menschen immer noch keinen Spiegel für zu Hause leisten können. Bewaffnet sind sie mit einem Volleyball, welcher mir gerade voll an den Schädel gedonnert wurde. Ich bin sauer, sage aber, daß es schon okay geht. „Kann ja mal passieren.“, etc, blah blah. „Kein Problem“ jaja..usw. „Tschüss auch“.

Ich blättere weiter in meinem Buch, nicht ohne ab jetzt öfter mal rüber zu gucken. Nach sowas kann ich echt neurotisch werden. Die Sportskanonen machen inzwischen weiter. „Baggern“ nennt sich das, glaube ich, was die da so probieren. Ich schaue mir die Typen genauer an und denke mir, daß die ja mal vom Baggern so gar keine Ahnung haben – weder sportlich noch zwischenmenschlich gesehen. Der Ball fliegt öfters unkontrolliert in diverse Richtungen und ich warte nur darauf, daß sie ihn in den Main schmeißen. Passiert aber nicht – schade eigentlich. Trotzdem lachen sie die ganze Zeit und scheinen sich köstlich zu amüsieren. Irgendwann lassen sie den Ball liegen und setzen sich hin. Wahrscheinlich unterhalten sie sich jetzt über Aktienkurse oder über irgendeine neue Cocktail-Bar in der City, die ganz bestimmt „supi-klasse“ ist. Hupsi halt… Ich beginne sie zu vergessen und widme mich wieder voll und ganz meiner Lektüre.

Plötzlich ein seltsames Treiben bei den Jungs. Sie sind aufgesprungen und rennen nun das Gelände ab, als wollten sie es mit ihren Schritten vermessen. „Eins, Zwei, Drei…“ Was soll das denn werden, bitteschön? „Komisch“, denke ich. Jetzt nehmen sie kleine Kästchen von den Gepäckträgern ihrer Fahrräder (aber die sagen bestimmt ‚velos‘ dazu…) und beginnen sie zu öffnen. Einige kleine Bälle, die wie Billardkugeln aussehen, nehmen sie heraus und fangen tatsächlich an, diese durch die Gegend zu schmeißen. Immer, wenn alle geworfen haben, rennen sie wie verrückte Hühner durcheinander und fangen an zu lachen und zu labern. Komisch, das alles… Das geht ziemlich lange so und sie kommen immer dichter an mich heran. Ich ziehe die Linie, die sie schon gegangen sind, im Geiste weiter und merke, daß sie irgendwann die Kugeln auf mich werfen müssen, wenn sie geradeaus weiter spielen möchten. Nun ja, mal abwarten.

Kurze Zeit später ist es auch schon so weit. Einer der Jungs kommt zu mir herüber und fragt doch tatsächlich: „Hmm, sag mal, macht es dir was aus, wenn du für zehn Minuten ein kleines Stückchen rüber rückst?“ Na klar macht mir das was aus. Ich war immerhin zuerst hier. „Naja, wir können sonst so schlecht weiterspielen.“, sagt er weiter. Ich antworte ihm: „Ist nicht mein Problem. Zuerst macht Ihr mir eine Beule und dann soll ich hier wegen Euch abhauen? Kommt nicht in die Tüte.“ Sein Kumpel kommt dazu: „Gibts Probleme?“ – „Höchstens mit deiner Frisur“, denke ich bei mir und antworte: „Nein, ist schon okay, Ich wollte mich gerade rüber legen.“ Mit zwei von den Deppen lege ich mich nicht gleichzeitig an – soviel ist mal klar. Also packe ich meine Decke und lege mich 5 Meter weiter. Stinksauer natürlich. Sie spielen an mir vorbei – extrem nervig, vor allem weil sie auch nicht damit aufhören, ständig zwischen dem Gewerfe und Gegackere den Bereich zwischen ihren Bällen lautstark durchzuzaehlen. Einfach Ätzend. ICH WILL DOCH NUR MEINE RUHE HABEN! Da hätt ich ja gleich bei Dieter auf dem Balkon bleiben können. Ich schaue sie böse an, aber sie bemerken mich wohl nicht, sondern sind voll und ganz in ihr Spiel vertieft.

Da passiert auf einmal etwas. Der eine der beiden trägt dieses bunte ekelhafte Hemd und schreitet gerade wieder mal das Gelände ab, als sein Mitspieler noch eine Kugel wirft. „Hey, warte mal. Du warst doch noch gar nicht dran“, sagt der bunte Junge. Sein Kumpel erwidert „Klar war ich dran. Du zaehlst, ich werfe.“ Anscheinend gefällt dem bunten die Antwort nicht, denn er geht schnurstraks zur Kugel und hebt sie wieder auf. „Der zählt jetzt aber nicht! Ich war noch nicht fertig.“ Aufregung in der Studentenspielewelt. Huiuiui… Er war noch nicht fertig. Na denn… Der Andere der beiden trägt ein blaues T-Shirt und fängt jetzt an, lauthals zu diskutieren: „Ja, wenn Du Dich eben nicht verzählt hättest, dann würde ich jetzt führen.“ Die bunte Antwort kommt sofort, kombiniert mit einem sehr bösen Gesichtsausdruck in Richtung blaues T-Shirt: „Ich führe, weil Dein Wurf gar nicht zählt. Ich war dran. So Basta!“ Blaues T-Shirt wird langsam richtig sauer. Man sieht es daran,daß seine große Brille fast beschlägt; so erregt ist er jetzt. Er sagt, nein, er schreit es fast heraus: „WAS SOLL DAS DENN?!? DAS HABEN WIR IMMER SO GEMACHT! VIELLEICHT SOLLTEST DU MAL ZÄHLEN LERNEN!“ – „ICH HAB MICH NICHT VERZÄHLT!!!“

Hupsi, das wird ja immer lustiger. Ich grinse, lasse es dann aber doch lieber sein. Kommt nicht so gut, denke ich… Sie werden immer lauter und bezichtigen sich gegenseitig der Mogelei. Plötzlich ein Schrei. Der blaue hat dem bunten voll gegen das Schienbein getreten! Aua, das tat sogar mir beim Zusehen weh. Bunt knickt weg, er liegt jetzt bäuchlings auf dem Rasen und hält sich sein Bein. Blau wirft sich auf ihn. Tja, eins zu Null für blau denke ich schon, doch was ist das? Bunt hat wohl seine letzten Reserven mobilisiert. Er fängt blau ab und rollt sich auf ihn. Rollen ist sehr gut, denn jetzt rollen sie beide – und zwar mitten in den Main. – Tor – Ich kann mich vor lachen nicht mehr halten und lasse mich prustend auf den Rücken fallen – so viel Spaß hatte ich echt schon lange nicht mehr.