Ein kleiner Anfall von Selbstbewusstsein...

Ein kleiner Anfall von Selbstbewusstsein…


Schöner wohnen | Selbstbehauptung kann einem echt den Abend versüßen. An sowas könnte ich mich gewöhnen.


Was für ein Mist. Da sitze ich heute auf meinem Balkon und denke an nichts böses, da schreit mich auf einmal eine Stimme von der Seite an und ich zucke zusammen. „EY – GEHT DAS AUCH LEISER?“ – „ja, find‘ ich auch“, denke ich und drehe mich um. Mein Nachbar, wie nett, mal wieder, wie schön, seinen Focus in der Hand, stehend auf seinem Balkon. „Hmm? Wie bitte?“, sage ich. „Ja, ihre Hottentottenmusik können´se ja wohl auch mal ein wenig runterziehen. Wie soll ich da meinen Mittagsschlaf halten?“ Um sechs Uhr abends Mittagsschlaf, in ’nem Studentenbunker am Samstag Abend, schon klar. ich gucke mir sein Ripp-Shirt an – das könnte er ja dann auch mal runterziehen. – Quit pro Quo oder wie war das? „Oh, Sorry, ich wusste nicht, dass ich sie störe. Werde ich gleich mal leiser stellen.“

Ich mache die Musik ganz aus und gehe in die Wohnung. Ich werde mir bestimmt nicht anschauen, wie der auf dem Nachbarbalkon seinen Focus auf seinem bescheuerten Gymnastikball liest. Das Grauen hat einen Namen – Dieter! Diese Drecksau studiert angeblich Jura – hab den aber noch nie mit einem Buch gesehen oder mit IRGENDetwas anderem als dem doofen Focus. Vom Focus zur Bild ist es nicht weit – alles der gleiche Verein für mich… Außerdem stinkt der. Kann´s nicht beweisen, bin mir aber sicher. Diese Ratte von CSU-Wähler (kann´s auch nicht beweisen, wie denn auch???) nervt ständig nur rum. Dabei grille ich noch nicht mal oder feier Partys oder mach sonst irgend etwas schönes in meiner Bude (geht nicht, Grund: Dieter, der Arsch). Ich beschließe, den Fernseher anzumachen, vergesse aber in meinem Leichtsinn, die Balkontür zu schließen und muß mir so anhören, wie der Volltrottel auf seinem Ball herumrutscht. Ich stelle ihn mir mit seiner Freundin im Bett vor. Igitt – manchmal kommen mir schon seltsame Gedanken.

Warum soll ich mir eigentlich von diesem Penner den schönen Sommerabend vermiesen lassen? Ist schließlich Kaiserwetter da draußen. Ich gehe also wieder raus, entschlossen, meine Freizeit bis zum letzten zu verteidigen. Er tut so, als hätte er nicht mitbekommen, dass ich zurück gekommen bin. Dabei weiß der das ganz genau, diese Flachzange! Ich beäuge Ihn, wie eine Wildkatze bereit zum Sprung falls er sich bewegt. Er schwitzt. Löse ich das aus? Nein, ist wie immer. Nochmal Igitt übrigens. Er dreht sich um, schaut mir direkt in die Augen. „Mist, der weiß was ich will. Der hat´s begriffen.“, denke ich, „jetzt nicht aufgeben.“ Ich schaue zurück, erinnere mich, dass man stärker wirken soll, wenn man gerade sitzt und richte mich auf. Angst macht sich breit – ich merke, wie mir der Schweiß den Rücken hinunter läuft. „Los, sag was…“, sage ich mir, doch da senkt er schon den Blick, setzt sich auf und geht in seine verwarzte Bude.

„Ein kleiner Sieg, darauf muss ich aufbauen“, denke ich. Ich grinse und mache die Musik wieder an, diesmal mache ich sie laut…